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Gerade rief der Sohn eines Zwangsverwaltungsschuldners an und erkundigte sich, wann denn nun endlich das Heizöl geliefert werden würde. Schließlich sei es schon seit gestern Abend kalt und er warte schon ewig darauf.

Da bereits gestern Nachmittag ein Mieter des selben Zwangsverwaltungsobjekts anrief um mitzuteilen, dass das Heizöl voraussichtlich in den nächsten ein bis zwei Tagen leer wäre, wurde umgehend Öl bestellt, welches heute im Laufe des Vormittags geliefert wird.

Der Anrufer fragte daraufhin, ob wieder nur 1.000 Liter geliefert werden würden, oder ob endlich einmal der Tank komplett gefüllt wird. Die Antwort, dass derzeit auf Grund des geringen Guthabens der Zwangsverwaltungsmasse nur eine geringe Menge bestellt werden konnte und dies vor allem auch damit zusammenhängt, dass einer der Mieter derzeit die Miete nur in Raten bezahlt. Im Übrigen bezahlen seine Eltern als Schuldner im Rahmen des Zwangsverwaltungsverfahrens derzeit überhaupt nichts, obwohl die geschuldete Nebenkostenzahlung ordnungsgemäß angefordert wurden und diese auch zur Zahlung verpflichtet sind.

Der Sohn wurde daraufhin schnell ausfällig und teilte mit, dass es eine Frechheit sei, dass seine Eltern etwas bezahlen müssten. Außerdem hätte sein Vater angeboten monatlich 100 Euro zu bezahlen und dann jeweils zum Jahresende eventuell noch eine Einmalzahlung leisten würde.

Das dies so nicht geht, wurde den Schuldnern bereits in unzählichen Schreiben erklärt und auch auf die Möglichkeit hingewiesen, dass es ggf. die Möglichkeit gibt, einen Wohngeldzuschuss zu beantragen.

Wie sich bereits in der Vergangenheit zeigte, stellte der Sohn erneut den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit in den Raum. „Mit uns Türken könnt ihr es ja machen. Ihr Deutschen meint ja sowieso ihr seit die Größten und könntet euch gegenüber uns Türken alles erlauben. Ihr seit ja sowieso die Besten und wir sind nichts.“

Auch die weitere Erläuterung, dass es eben auf Grund des Gesetzes so vorgesehen sei, dass der Schuldner, der selbst im Zwangsverwaltungsobjekt wohnt, zwar keine Miete bezahlen müsse, dafür jedoch für seine Nebenkosten aufzukommen hat, interessierte den Sohn nicht. Es sein eine Unverschmätheit wie mit ihm und seinen Eltern umgegangen werde nur weil sie Türken wären. Außerdem würden alle (gemeint waren wohl die Bank als betreibende Gläubigerin, das Gericht sowie der Zwangsverwalter) unter einer Decke stecken und sich an keinerlei Regeln halten.

Da dieser Vorwurf bereits mehrfach (ohne Grund!) erhoben wurde und sowohl der Sohn als auch das Schuldnerehepaar zu solchen Ausbrüchen neigen, wurde das Gespräch daraufhin relativ schnell beendet und erneut darauf hingewiesen, dass die angeforderte Nebenkostenzahlung zu leisten sei (eventuell auch über einen Wohngeldzuschuss), da andernfalls ggf. die Räumung der Schuldnerwohnung wegen Gefährdung des Zwangsverwaltungsverfahrens beantragt werden müsse.

Das die Räumung bisher noch nicht beantragt wurde hat vor allem den Grund, dass im parallel anhängigen Zwangsversteigerungsverfahren in Kürze sowieso der Versteigerungstermin stattfindet und es somit schon alleine aus zeitlicher Sicht nicht mehr durchzubekommen sein dürfte.

Generell ist es in Zwangsverwaltungsverfahren so, dass der Schuldner zwar in der Wohnung bleiben darf, jedoch diejenigen Räume zu räumen sind, die nicht als Unentbehrlich anzusehen sind. Diese Räume können vom Schuldner jedoch gegen eine entsprechende Mietzahlung auch weiterhin genutzt werden.

Das kostenlose Wohnrecht beinhaltet jedoch nicht die für die Schuldnerwohnung entstehenden Nebenkosten. Diese sind durch den Schuldner zu tragen und durch den Zwangsverwalter dort anzufordern.

Der Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit, der leider immer wieder erhoben wird, ebenso wie der Vorwurf der Vorteilsnahme durch sämtliche Verfahrensbeteiligte scheint oft aus einer Unsicherheit und Wut heraus begründet zu sein. Alleine schon die Vorstellung, dass man sein Haus verlieren wird, lässt hier sicherlich die Emotionen hochkochen. Kommt dann noch eine eher cholerische Grundhaltung dazu, kommen solche Vorwürfe durchaus öfter zu Tage, die jedoch vollkommen unbegründet sind.

Ganz egal welcher Nationalität ein Schuldner angehört, die Regeln des Zwangsverwaltungsverfahrens gelten für alle. Hiervon gibt es keine Ausnahmen oder Sonderbehandlungen nur weil ein Schuldner eine bestimmte Nationalität hat. Generell sollte man sich jedoch auch in solchen Situationen, die nachvollziehbarerweise sehr belastend und auch beängstigend sind, nicht zu solchen Vorwürfen hinreißen lassen, sondern versuchen gemeinsam mit der betreibenden Gläubigerin, dem Gericht sowie dem Zwangsverwaltung die Sache bestmöglich ohne weitere Konflikte durchzustehen und letztlich die Verfahren auch soweit wie möglich zu fördern. Schließlich profitiert weder das Gericht noch der Zwangsverwalter von einem hohen Versteigerungserlös. Dieser kommt letztlich nur dem Schuldner zu Gute, da mit jedem Euro, der mehr erwirtschaftet wird (im Zwangsverwaltungsverfahren) bzw. je höher der Versteigerungserlös, die Schuldenlast des Schuldners abnimmt.


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